Pflegende Angehörige geben Ihr Leben auf! - Finanzservice Leibenzeder - Versicherungsmakler Emmendingen || Freiburg Leibenzeder Finanzservice

Pflegefall und die Folgen…

Ein Pflegefall kommt meistens unerwartet und plötzlich ins Leben einer Familie. Und dann ändert das alles. Nichts bleibt wie es war und es entstehen ganz neue Herausforderungen. Um es drastisch auszudrücken… Das Leben ändert sich radikal!

Immer wieder treffen wir in den Beratungen auf Menschen, deren Schicksal es nicht gut mit Ihnen meint. So möchten wir heute (wieder einmal) von einem Fall aus unserer Mandantschaft erzählen. Die Dame (Frau W.) kam zu uns und erzählte uns Ihre Geschichte.

Das Paar hatte einen Altersunterschied von über 20 Jahren. Grundsätzlich war das nie ein Problem, denn Herr W. hat immer Sport getrieben und war für sein Alter sehr fit. Nach einem plötzlichen schweren Schlaganfall aber wurde das Leben der beiden auf den Kopf gestellt. Das Leben von Herrn W. stand auf Messers Schneide. Er überlebte zwar, aber war seither halbseitig gelähmt und auf fremde Hilfe angewiesen.

Für Frau W. war es klar, dass Sie Ihren Mann so lange wie möglich zu Hause pflegen würde. Ihr Vorteil war, dass sie im Krankenhaus arbeitete und daher über ein gutes Netzwerk verfügte. Sie konnte also auf erfahrene Köpfe zurückgreifen und musste sich nicht erst lang mit der nun anstehenden Materie vertraut machen. Kollegen vermittelten Sie in einen Kurs für pflegende Angehörige. Dort erhielt sie alles Wissenswerte. Ihr Mann durchlief eine REHA. Vom begleitenden sozialen Dienst erhielt sie jedoch kaum Unterstützung.

Sie sollte Ihren Mann am besten gleich in eine Kurzzeitpflege ins Heim schicken. Alternativ bliebe noch die dauerhafte Unterbringung im Heim. Das war für Frau W. jedoch nicht hinnehmbar. Sie wollte es selbst schaffen.

Frau W. ist 65 Jahre also und ihr Mann ist 87. Vor knapp 5 Jahren hatte er einen Schlaganfall und wird seither von ihr gepflegt. In der Reha sind leider weitere Komplikationen aufgetreten und ihr Mann hat sich einen multiresistenten Keim eingefangen. Er wurde dadurch richtig krank und musste fast zwei Monate in einem Isolierzimmer untergerbacht werden. Eine richtige Therapie war nicht möglich. Unter diesen Umständen sollte die Reha verlängert werden, da die Ärzte noch Verbesserungspotenzial sahen. Von Seiten der Krankenkasse wurde die Verlängerung aber aufgrund zu geringer Fortschritte des Mannes abgelehnt. Damit begann das eigentliche Dilemma. Wie sollten auf einem Isolierzimmer entsprechende Fortschritte gemacht werden? Frau W. legte also gegen die Entscheidung der Krankenkasse Einspruch ein, letztlich aber ohne Erfolg.

Die Kommunikation zwischen der Klinik und Frau W. war mehr als unglücklich. Sie bekam nur sehr sporadisch Auskunft und erhielt erst vier Tage vor der Entlassung ihres Mannes Bescheid. Nun musste sie Hals über Kopf noch die wichtigsten Dinge organisieren. Einen Toilettenstuhl, den Lifter für die Badewanne, entsprechende Unterlagen und ein Einsatz für das Pflegebett. Frau W. hatte sich in der Klinik darüber informiert, was die Krankenkasse alles bezahlt und was sie alles benötigt. In Verständigung mit ihrer Hausärztin wurde ab Beginn auch ein ambulanter Pflegedienst organisiert.

Dieser kam zur Unterstützung zweimal die Woche und half ihr beispielsweise dabei körperlich anstrengende Arbeiten zu erledigen. Mit der neuen Situation klar zu kommen stellte sie zu Beginn vor große Herausforderungen.

Grundsätzlich war der Pflegedienst eine große Hilfe für Frau W. Der Eingriff in die Privatsphäre war jedoch enorm. Auf einmal ist jemand im Haus, der ihren Mann auszieht, und wäscht. Als dann der Pflegedienst ihren Mann einmal fallen lies, war das ein Schockerlebnis. Gemeinsam mit ihrem Mann entschied sie, es alleine schaffen zu können. Ein Stück Normalität kam zurück. Insoweit sich von Normalität sprechen lässt. Der Schlaganfall hat das Leben auf den Kopf gestellt. Die Pflege ihres Mannes sagt sie, war nicht einmal das Problem. Es gab keine Berührungsängste. Mit die größte Herausforderung, war die gestörte Kommunikation zwischen den beiden. Der Schlaganfall wirkte sich unmittelbar aufs Sprachzentrum von Herrn W. aus, und er konnte seither nur noch sehr schlecht und undeutlich sprechen. Die Unterhaltungen gleichen deshalb eher einem Monolog wie einer Konversation. Frau W. spricht und Herr W nickt. Besserung nicht in Sicht.

Die eigene Sicht der Dinge wurde anfänglich oft enttäuscht, ja schon frustrierend. Frau W. hatte einen ganz anderen Anspruch über die Gegebenheiten der Betreuung ihres Mannes. Sie hatte es sich viel einfacher vorgestellt. Gerade die zu Beginn aufgetretenen Kommunikationsschwierigkeiten machte es schwierig. Herr W. überschätzte sich auch selber und ging davon aus, dass er in ein paar Wochen wieder „der Alte" ist. Leider war dem nicht so. Der Zahn der Zeit nagt leider unentwegt und Herr W. wird auch nicht jünger.

Das eigentliche Problem aber ist, eher von einem anderen Menschen abhängig sein zu müssen. Und für das männliche Ego schon dreimal. Der Pflegende Angehörige muss für sich seinen Part finden. Im Fall von Frau W. war das mit einzelnen Situationen und Umständen klar zu kommen. Für Sie war mit ausziehen der Pflegehandschuhe der Teil der Pflege.

Mit den täglichen kleinen Schritten die Herr W. abbaute, musste Frau W. immer mehr Abschied vom gemeinsamen Leben und den gemeinsamen Erinnerungen nehmen. Dieser Prozess, der immer noch am Laufen ist, ist die größte Herausforderung der ganzen Situation. Hinzu kommt, dass ihr Mann immer wieder depressive Phasen hatte, in der er nicht mit ihr gesprochen hat. Bei all der Aufopferung ist das schwer zu verkraften. Immer wieder hatte sie Phasen, in denen Sie mit den Kräften am Ende war und sich Hilfe bei Therapeuten geholt hat. Über den eigenen Schatten zu springen und sich fremde Hilfe holen ist für viele Menschen schwierig. Mittlerweile hat sie sich damit abgefunden, und akzeptiert es.

Inzwischen ist ein gewisser Alltag eingekehrt und sie erfreut sich an den kleinen Dingen. Sie sieht nicht mehr was Nicht geht, sondern was geht. Die einfachen Dinge sind oft die Dinge, welche uns am glücklichsten machen. Das kann das vorlesen eines Buches für Ihren Mann sein, oder ein gemeinsamer Abend auf der Terrasse. Frau W. geht heute offener, bewusster und toleranter durchs Leben. Eine gewisse Gelassenheit hat sie sich zugelegt. Das ist wichtig als Grundlage, denn sonst würde sie die Situation nicht meistern können.

Die Umstellung für Frau W., zukünftig wieder alleine in den Urlaub fahren zu müssen, beziehungsweise es auch zu dürfen war nicht einfach. Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis sie das für sich in Anspruch genommen hat. Für Sie war dieser Schritt wichtig zu lernen, dass Sie sich nicht selbst aufgeben durfte. Sicher wollte Sie es immer perfekt machen, und ihrem Mann helfen wo sie nur kann. Die eigene Persönlichkeit aufgeben wollte sie jedoch nicht. Ihr Mann steht zwar immer noch an erster Stelle, jedoch gönnt sie sich inzwischen auch Auszeiten, ohne ein schlechtes Gewissen.

Sollte der Zeitpunkt irgendwann eintreten, dass sie ihren Mann nicht mehr ohne fremde Hilfe, sprich einen Pflegedienst versorgen kann, wird sie das auch in Anspruch nehmen. Das Pflegeheim bleibt nur der allerletzte Schritt.

Während der Betreuung und Pflege Ihres Mannes hat Frau W. eines gelernt; die Unterstützung der pflegenden Angehörigen liegt massiv im Argen! Sie erzählte uns, dass sie viele kennt, die ihren Job aufgeben mussten, um für ihren Partner da zu sein. Aus den Rückkopplungen unserer Vorträge können wir das nur bestätigen. In so einem Fall ist das Dilemma groß, denn dann droht je nach vermögen die Altersarmut oder Sozialfall. Im schlimmsten Fall werden sogar die Kinder für die Pflegekosten der Eltern herangezogen. Wir haben dafür bereits ausführlich berichtet.

Selbst die zehn Tage Sonderurlaub, die jedem pflegenden Angehörigen gesetzlich zustehen reichen hinten und vorne nicht, um sich entsprechend auf die Situation einzustellen. Laut Frau W. wäre mindestens ein Monat nötig. In ihrem Fall hat sie sogar drei Monate benötigt bis sie alles so arrangiert hatte, um klar zu kommen. Ihr Arbeitgeber hat sie entsprechend unterstützt und der Sohn war ihr eine zusätzliche Hilfe. Manch anderen kostet diese sowieso schon schwierige Situation den Job!

Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, wird es in Krankheitsfällen besonders dramatisch. Ist der Partner krank, muss sich der Angehörige ebenfalls krankmelden, um ihn zu versorgen. Als Vater eines kleinen Sohnes weiß ich, dass es für Kinder die Option „Kind ist krank" gibt, (insofern man nicht selbständig ist) und der Lohn, zumindest teilweise, für 10 Tage bezahlt wird. Hier herrscht Ungerechtigkeit.

Ihr Apell an den derzeitigen Gesundheitsminister Jens Spahn ist deutlich – Packen Sie es an und ändern sie schnellstmöglich die Regelungen zur Pflege Angehöriger.

Sie haben ragen rund um das Thema Pflege, Pflegeabsicherung, Vollmachten, und Patientenverfügung? Sprechen Sie uns gerne an. Wir helfen Ihnen gerne oder verweisen an kooperierende Anwälte. Für Sie KOSTENFREI!


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