Schweizer Geldanlagen sind sicher? - Finanzservice Leibenzeder - Versicherungsmakler Emmendingen || Freiburg Leibenzeder Finanzservice

Vorsicht vor "Schweizer Geldanlagen" Gastbeitrag

Berateralltag: 

Beim Begriff "Schweizer Geldanlage" sollten die Alarmglocke läuten.

Auch Bambusplantagen im Orinoco-Gebiet werden in Zeitungsannoncen und im Internet als "Schweizer Geldanlage" angeboten. Für Anleger ist das ein Vertrauenspunkt, der oft nicht gerechtfertigt ist. Berater, die bei ihren Kunden auf solche Angebote stoßen, benötigen gute Argumente, um das Grundvertrauen in die Schweiz als Finanzplatz in realistische Bahnen zu lenken. 

Hintergrund: Geldanlagen aus der Schweiz haben derzeit, trotz gerade auslaufendem Nummernkontenskandal, erstaunlicherweise Konjunktur. Insbesondere Edelmetallkonten über private Firmen, also sog. Nichtbanken, jede Art von Kontoanlagen, Investitionen in Holz und vieles mehr wird über Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften und vor allem im Internet mit dem Label "Schweizer Geldanlage" angepriesen. Auffallend ist zudem, dass die Schweizer Anbieter besagter Anlagen sich fast durchgehend an unerfahrene Anleger wenden. Die Schweiz-bedingten Zusatzrisiken Auch wenn die beschriebenen Schweiz-Angebote für Fachleute schon bei überschlägiger Betrachtung meist wenig Sinn erkennen lassen, sollen im Folgenden nicht die Anlagen selbst beurteilt werden, sondern die Folgen für den Anleger, wenn etwas schiefläuft. 

Wir haben uns an den in Rufweite zur Schweizer Grenze in Waldshut am Hochrhein domizilierenden Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Felix Fehrenbach, mit der Bitte gewandt, uns wichtige Aspekte z.B. bei Geltendmachung eines Schadenersatzanspruchs im Falle einer Schweizanlage der beschriebenen Art eines deutschen Anlegers zu nennen. Die Aufzählung kann natürlich nicht vollständig sein, weil je nach individuellem Einzelfall weitere Aspekte zu berücksichtigen sind. 


Deutsches Recht oder Schweizer Recht/Gerichtsstand

Zunächst muss die Frage geprüft werden, ob in der Schweiz oder in Deutschland geklagt werden soll. Das hängt natürlich davon ab, gegen wen geklagt wird. Es sind aber auch verschiedene Rechtsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland zu berücksichtigen. Allein die Prüfung dieser Fragen ist komplex, aufwändig und natürlich teuer. Schon an dieser Stelle muss oft ein Schweizer Korrespondenzanwalt hinzugezogen werden, will man sichere Ergebnisse erzielen. Besonders kompliziert wird es, wenn laut Anlagevertrag deutsches Recht gilt, der Gerichtsstand jedoch in der Schweiz liegt - und umgekehrt. 

Wo Schweiz draufsteht, ist nicht immer Schweiz drin Bei genauem Hinsehen, haben die schweizerischen Anbieter solcher Anlagen zwar ein Büro in der Schweiz, ihren Firmensitz jedoch in Liechtenstein. Wer meint, das wäre doch irgendwie dasselbe, der wird sich im Falle eines Falles eines Besseren belehren lassen müssen. 

Angenommen, die Anlage einer in Liechtenstein domizilierenden Gesellschaft wurde über die Schweiz angeboten, dann könnten nicht mehr "nur" zwei Rechtssysteme, das deutsche und das schweizerische, sondern drei sich zum Teil sehr voneinander unterscheidende Systeme zu prüfen sein. Wer dann im üblichen fünf- oder sechsstelligen Bereich Schadenersatzansprüche anmelden will, der wird sich das meist spätestens dann überlegen, wenn er sich die möglichen Rechtsanwalts- und Gerichtskosten auflisten lässt. 

Gerichtsverhandlung und Vollstreckung 

Die Probleme beginnen schon bei der Sprachbarriere. Die juristische Sprache unterscheidet sich auch in der "Deutschschweiz" von der entsprechenden deutschen Juristensprache deutlich, ganz davon abgesehen, dass die mündliche Kommunikation in schweizerdeutsch erfolgen könnte oder in einem schweizerisch gefärbten Hochdeutsch. Da sind nicht nur unsere Küstenbewohner schnell mal überfordert. Angenommen, die Verhandlung gegen die schweizerische Gesellschaft ging zu Gunsten des Anlegers aus, dann hat er damit noch lange nicht sein Geld zurück. Muss in der Schweiz vollstreckt werden, dann gelten natürlich die schweizerischen Bestimmungen, die sich in Teilen deutlich von den deutschen Bestimmungen unterscheiden - was wiederum den Einsatz eines schweizerischen Juristen erforderlich macht und damit zusätzliche Kosten verursacht. 

Jenseits juristischer Probleme: Profan aber wirkungsvoll - das Währungsrisiko

Edelmetallanlagen werden meist in US-Dollar gehandelt. Geht die Rückabwicklung über Schweizer Franken, entsteht schon ein mehr als unübersichtliches Währungsrisikogemisch. Im Falle einer Holzanlage auf den Philippinen werden die dort arbeitenden Menschen wahrscheinlich in philippinischer Währung bezahlt, der Erwerb dagegen erfolgt über Schweizer Franken in US Dollar und die eventuelle Rückabwicklung wieder über US Dollar und Euro - es sei denn, die Schweizer Gesellschaft rechnet wieder über den Schweizer Franken ab. Wenn dann in einem Prospekt mit dürren Worten auf das bestehende Währungsrisiko hingewiesen wird, dann wird diese Beschreibung in der Regel dem Risikowirrwarr kaum gerecht. Was übrigens in den Prospekten eigentlich immer fehlt, ist ein Hinweis auf die je nach Währungskombination unterschiedlich hohen Kosten beim Wechsel der Währung.

Fazit 

Es galt eigentlich schon immer die Regel, dass Kapitalanlagen im Ausland, also nicht nur in der Schweiz, wegen der immer unterschiedlichen Rechtssysteme und der damit verbundenen zusätzlichen Kosten, nur bei hohen Anlagebeträgen wirklich sinnvoll sein können. Ab welchem Anlagebetrag ein vernünftiges Verhältnis zwischen möglicher Kostenbelastung und möglicher Erträge bzw. bestehender Risiken besteht, differiert natürlich von Fall zu Fall. Bei Anlagebeträgen unter der Millionen-Euro-Grenze dürfte bei grenzüberschreitenden Rechtsverhältnissen eine eventuell notwendige Rechtsverfolgung eigentlich immer zu teuer sein. Rechtsanwalt Fehrenbach weist übrigens, das zum möglichen Trost für Auslandsanleger, darauf hin, dass nach seiner Erfahrung die deutschen Rechtsschutzversicherungen meist auch die zusätzlichen Honorare Schweizer Korrespondenzanwälte übernehmen. 

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer. Deutsche Finanzrecherche

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